Generationenstudie 2001

Zwischen Konsens und Konflikt: Was Junge und Alte voneinander denken und erwarten

Die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und die gleichzeitig immer enger werdenden Verteilungsspielräume ließen es angeraten erscheinen, eine Generationenstudie zu konzipieren. Die Besonderheit dieser Generationenstudie besteht darin, dass den jungen und alten Befragten zwar im Prinzip identische Fragen gestellt werden, dass sich diese Fragen jedoch verstärkt damit beschäftigen, was die Jungen und die Alten in unserer Bevölkerung voneinander denken und erwarten.

Für diese Vorgehensweise gibt es eine Reihe guter Gründe, die nicht nur mit der derzeitigen demographischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung zu tun haben. Seit jeher werden nämlich die Beziehungen zwischen den Generationen sowohl durch die Übereinstimmung in vielen Fragen als auch durch Konflikte geprägt. Die auftretenden, mehr oder weniger heftigen Konflikte stellen dabei nicht nur eine Belastung der Beziehungen zwischen den Menschen unterschiedlichen Alters dar, sondern sind oftmals auch eine Quelle für gesellschaftliche Neuerung und Entwicklung. Eine der wichtigsten und beständigsten Ursachen für derartige Konflikte ist das Bedürfnis der jungen Generation, sich von den Alten abzugrenzen und Neues zu schaffen. Darüber hinaus führt aber auch immer wieder die als ungerecht empfundene Verteilung von Rechten und Gütern zu Zwistigkeiten zwischen den Generationen.

In der einschlägigen Diskussion wird der Begriff Generation vor allem in zwei unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Zum einen beschreibt Generation Menschen aus benachbarten Jahrgängen, die in ihrer Jugend meist durch zeitspezifische äußere Bedingungen oder Ereignisse in ihren Wertvorstellungen und Sichtweisen besonders geprägt wurden und diese Ansichten in ihrem Leben weitgehend unverändert beibehalten. Die sogenannte Kriegsgeneration oder die Generation der 68er sind hierfür Beispiele. Bei dieser Verwendung des Begriffs geht man davon aus, dass jede Generation mit weitgehend vergleichbaren Werten und Einstellungen die unterschiedlichen Lebensphasen von der Jugend bis zum Alter durchläuft, bis sie letztendlich ausstirbt (Kohorteneffekt).

Die zweite Interpretation des Begriffs Generation steht zumindest bei der Begründung dieser neuen Forschungsaktivität und somit bei der hier vorliegenden Untersuchung im Vordergrund der Betrachtung. Hier werden Unterschiede zwischen den Generationen nicht durch die besonderen Lebensumstände der jeweiligen Generationsmitglieder in der Jugend, sondern primär durch die unterschiedlichen Bedingungen in den aufeinanderfolgenden Phasen des Lebens erklärt (Alterseffekt). Gegensätzliche Einstellungen und Verhaltensweisen der Generationen entstehen also vor allem aus den wechselnden Aufgaben, die im Verlauf des Lebens bewältigt werden müssen.

Mit der Untersuchung zum Thema Generationen zwischen Konsens und Konflikt wird einerseits bezüglich Themen und Inhalten die Tradition bisheriger Grundlagenuntersuchungen der Hanns-Seidel-Stiftung bzw. der Stiftung I. und W. Tausend fortgesetzt. Andererseits wird Neuland betreten, da die Untersuchung nicht auf die Bürger Bayerns beschränkt ist, sondern sich erstmals auf die gesamte Bevölkerung Deutschlands in den Blick nimmt und da zudem nicht nur eine Teilzielgruppe wie Jugendliche oder Frauen untersucht, sondern die teilweise kontroversen Einstellungsmuster von jungen und alten Menschen gegenübergestellt werden.

Im Rahmen dieser Generationenstudie 2001 konnte zwangsläufig nur eine Auswahl von Themen untersucht werden, die für die zentrale Frage der Untersuchung „Konsens und Konflikt: Was Junge und Alte voneinander denken und erwarten?" auf Grund der aktuellen Rahmenbedingungen besonders wichtig waren. Neben den bereits behandelten Themen gibt es eine Reihe von weiteren Fragen und Themenbereichen, die in zukünftigen Untersuchungen zu den Einstellungen der jungen und alten Generation behandelt werden könnten. Von großem Interesse sind beispielsweise Einstellungen und Verhaltensabsichten von Alten und Jungen zum stetigen und schnellen wissenschaftlichen und technologischen Wandel. Ebenso aufschlussreich dürften auch die Haltungen der Alten und Jungen zu ethischen Fragen und Themen wie Sterbehilfe, Organtransplantation, künstliche Befruchtung oder Gentechnologie sein. Schließlich dürfte es sich auch lohnen, zu bestimmten bereits untersuchten Themenkomplexen tiefergehende Informationen zu erhalten, wenn sich bei diesen Problembereichen in der öffentlichen Diskussion neue Gesichtspunkte und Erkenntnisse ergeben, die Denken und Handeln dieser beiden Generationen und somit ihr Verhältnis zueinander beeinflussen.

Die Untersuchungsergebnisse können unter http://www.hss.de/mediathek/publikationen.html heruntergeladen werden.